„Du musst Rahmenbedingungen schaffen, damit deine Mitarbeiter glücklich wirken können“

Talentmanagement & Recruiting 08.18.2021
Beitragsbild zm Blogbeitrag von Reinhard Adel zu Frank Rechsteiner und IT-Recruiting

Warum sollte das Recruiting in modernen Unternehmen nicht nur Sache der Personalabteilung sein? Was hat es mit Begriffen wie Zielgruppendefinition und Pain Point auf sich? Hierüber und über vieles andere spricht Headhunter Frank Rechsteiner mit Alexander R. Petsch, CEO des HRM Institute, für den Podcast HRM Hacks. Überdies verrät er, wie Firmen für Mitarbeiter attraktive Rahmenbedingungen schaffen können und warum es den perfekten Kandidaten nicht gibt.

Bild zum Gast Frank Rechsteiner
Frank Rechsteiner

Die Ära der Einzelkämpfer in Unternehmen ist für Frank Rechsteiner endgültig vorbei. Die Zukunft gehört der Zusammenarbeit von Personalern, Geschäftsführern und Fachabteilungen. Denn die Anforderungen sind in den letzten Jahren zunehmend vielfältiger geworden. Gefragte Kandidaten, insbesondere in der IT-Branche, haben heute so viele Auswahlmöglichkeiten wie nie zuvor. Da müssen sich Recruiter etwas einfallen lassen. „Aber nicht alleine, auf gar keinen Fall!“, sagt der Headhunter.

Die richtige Zielgruppendefinition

Frank Rechsteiner sieht die Fachabteilungen und Geschäftsführung mit in die Pflicht genommen. Gemeinsam mit HR obliegt es ihnen, klare Strategien zu entwerfen und diese auch erfolgreich umzusetzen. Doch womit fängt man am besten an? „Alles dreht sich hierbei um die simple Frage: Warum sollte sich bei mir jemand bewerben?“, sagt Recruiting-Coach Rechsteiner. Freie Getränke, Kinderbetreuung und frische Backwaren schön und gut, aber damit lockt man heutzutage keine gefragten IT-Profis mehr hinter dem Schreibtisch hervor. „Wenn du Menschen begeistern und in ihrem Pain Point ansprechen willst, dann brauchst du eine Zielgruppendefinition, die an Lebensphasen orientiert ist“, sagt Rechsteiner.

Soll heißen, einem 50 Jahre alten Manager mit Karriere-Aussichten zu kommen, ist wenig vielversprechend. „Der hat bereits Karriere gemacht, dem ist vermutlich die Work-Life-Balance wichtig“, erklärt Recruiter Rechsteiner. Unter Umständen ließe der sich auch mit einem Ausbilderjob ködern. „Dabei könnte er sei ganzes Wissen weitergeben.“ Zudem haben Begriffe wie Flexibilität und Freiheit für gefragte Kandidaten mittlerweile einen hohen Stellenwert, insbesondere für Freelancer. Die mit ins unternehmerische Boot zu holen bedarf attraktiver Rahmenbedingungen. „Die möchten glücklich und erfolgreich wirken können“, sagt Rechsteiner. Flexible Arbeitszeiten, vielleicht sogar Teilzeit ohne Gehaltsverlust, Weiterbildungspakete, Mitarbeiterwohnung und Unterstützung beim Einstieg in neue Themen – all das zaubert vielen Kandidaten ein Lächeln ins Gesicht. 

Bitte mehr Zeit!

Headhunter Rechsteiner spricht zudem gerne über den Faktor Zeit bei Führungskräften. Hier müssen sich nicht wenige Chefs an der eigenen Nase packen. „Menschen kündigen ihrem Vorgesetzten, nicht dem Unternehmen“, sagt Rechsteiner. Denn ein schlechter Führungsstil wird heute von IT-Fachkräften nicht mehr verziehen. „Wenn ein Chef das Thema Führung wirklich ernst nimmt, dann hat er Zeit für seine Mitarbeiter“, sagt Rechsteiner. Zeit, seine Angestellten individuell zu betreuen und zu entwickeln. „Wenn sie glauben, diese Zeit nicht zu haben, dann sollten sie ihren Job aufgeben.“ Heute sind People Lover in dieser Position gefragt.

Erwartungen herunterschrauben!

Bei der Auswahl der Kandidaten rät Rechsteiner, die Erwartungen herunterzuschrauben. „Wenn ein Bewerber fünfzig bis sechzig Prozent der Anforderungen erfüllt, ist es ein top Kandidat.“ Und auch wenn es nur vierzig Prozent sind, ist der Recruiter oft gut beraten, Milde walten zu lassen. „Dann gibst Du ihm drei Wochen Schulung oder stellst ihm einen Mentor zur Seite“, rät Rechsteiner. Denn das kommt immer noch deutlich günstiger als die Stelle ein Jahr unbesetzt zu lassen. Für die Firma ist es überdies ein nicht zu unterschätzendes Recruitingargument, in künftige Mitarbeiter von Beginn an zu investieren. 

„Strategisch ist es wichtig, seinen Kopf als Recruiter aufzumachen, flexibel zu denken“, sagt Rechsteiner. Aus dem Entweder-oder ein Sowohl-als auch machen. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die Spielregeln mit der Geschäftsführung und der Fachabteilung intern neu zu definieren. „Denn wer kein Strategie hat, der wird in den nächsten Jahren verloren sein“, prophezeit Rechsteiner.

Zur Person: Frank Rechsteiner ist ein erfolgreicher Headhunter mit Schwerpunkt auf der Rekrutierung von IT Fach- und Führungskräften. Zudem ist er auch seit Jahren Autor und gefragter Keynote-Speaker.

Webtipps:

Reinhard Adel

Tags: FührungsstilIT-FachkräfteIT-RecruitingPain Point

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